Viele Menschen träumen davon, mit dem Reisen Geld zu verdienen. Nur wenige schaffen es, daraus ein tragfähiges Geschäft zu machen. Martina Hirzberger gehört dazu: Gemeinsam mit ihrem Partner Jürgen betreibt sie den Reiseblog PlacesofJuma, der vom Hobbyprojekt zu ihrer beruflichen Basis geworden ist.
Die Geschichte ist typisch für eine bestimmte Art von Gründung: kein Investorenkapital, kein Pitch Deck, sondern eine Leidenschaft, die über Jahre wächst, bis sie sich rechnet. Gerade deshalb lohnt der genaue Blick – auf die Anfänge, auf das Geschäftsmodell und auf die Frage, wie man Reisen und Arbeiten unter einen Hut bekommt.
Im Gespräch mit Startuplove erzählt Martina Hirzberger, was sie angetrieben hat, wovon der Blog lebt und welche Rolle Pinterest für ihre Reichweite spielt.
Kurz erklärt: Was ist PlacesofJuma?
PlacesofJuma ist ein deutschsprachiger Reiseblog eines Paares aus Österreich, der Reiseberichte, Städtetrips, Rundreisen und Hoteltipps bündelt. Die wichtigsten Fakten:
- Betreiber: Martina und Jürgen, die nach eigener Angabe seit mehr als 20 Jahren gemeinsam reisen.
- Start: Gebloggt wird seit 2017.
- Schwerpunkte: Kroatien, Thailand, Italien und Griechenland, dazu weitere Ziele in Europa und Asien.
- Umfang: Laut Website mehr als 1.000 Reiseberichte aus erster Hand, die meisten Fotos stammen von den beiden selbst.
- Sprachen: Neben der deutschen gibt es auch eine englische Version.
Vom Hobby zum Reiseblog: die Anfänge
Am Anfang stand kein Businessplan, sondern eine Gewohnheit. Martina Hirzberger hat Reisen und Fotografie schon lange begleitet, und auf ihren eigenen Trips merkte sie, wie gern sie Erlebnisse festhält und weitergibt.
Was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, einen Reiseblog zu starten?
„Während meiner eigenen Trips habe ich gemerkt, dass ich eine Leidenschaft dafür habe, meine Erfahrungen festzuhalten und mit anderen zu teilen“, sagt Hirzberger. Das sei die Initialzündung für den Blog gewesen.
Anfangs ging es darum, die schönsten Entdeckungen zu zeigen. Mit der Zeit wurde daraus mehr als ein Hobby, und die Motivation verschob sich: Heute stehen konkrete Reisetipps im Vordergrund, die Leserinnen und Lesern bei der Planung echten Mehrwert bieten sollen. „Ich möchte meinen Leserinnen echte Unterstützung bei ihrer Reiseplanung geben“, fasst sie zusammen.
Dieser Wechsel von der Inspiration zur Nützlichkeit ist kein Zufall. Wer gezielt nach einer Reiseroute, einem Hotel oder dem besten Strand sucht, landet über Suchmaschinen bei Artikeln, die genau diese Fragen beantworten. Ein Reiseblog, der Planungshilfe statt nur schöne Bilder liefert, wird damit auch wirtschaftlich interessanter.
Thailand und Kroatien: Reisen, die den Blog geprägt haben
Welches war dein unvergesslichstes Reiseerlebnis?
Besonders geprägt hat Hirzberger eine Rundreise durch Thailand. Die Vielfalt des Landes – vom grünen Norden über Tempel und Großstädte bis zu den Inseln wie Koh Samui, Koh Lanta und Koh Samet – habe ihr gezeigt, wie facettenreich ein einzelnes Reiseland sein kann.
Für ihre Arbeit hatte das eine klare Folge: Sie wollte ihren Leserinnen und Lesern tiefere Einblicke geben und auch Orte abseits der typischen Touristenrouten zeigen. Der Koh-Samui-Guide auf dem Blog zeigt, wie das heute aussieht: rund 20 Sehenswürdigkeiten, Anreiseoptionen, Unterkünfte und ein Vorschlag für ein bis zwei Wochen Aufenthalt.
Was war dein Lieblingsreiseziel im letzten Jahr?
Im vergangenen Jahr hat Hirzberger vor allem Kroatien begeistert, besonders die Küstenstädte und Inseln. Kristallklares Wasser, Altstädte und Nationalparks hätten sie zu ausführlichen Beiträgen über die schönsten Orte des Landes inspiriert.
Kroatien ist für das Paar ohnehin ein Kernthema. Nach Angaben auf der Website bereisen die beiden das Land seit der Kindheit und verbringen dort jedes Jahr mindestens zwei Monate. Diese Tiefe ist ein Wettbewerbsvorteil: Wer ein Ziel immer wieder besucht, kann Informationen aktuell halten und Details liefern, die ein einmaliger Besuch nicht hergibt.
Wovon ein Reiseblog lebt: das Geschäftsmodell
Wie monetarisierst du deinen Blog?
PlacesofJuma setzt auf mehrere Einnahmequellen. Die zwei Hauptpfeiler beschreibt Hirzberger so:
- Affiliate-Marketing: Über Links zu Reiseanbietern, etwa Hotels oder Touren, fließen Provisionen, wenn Leser buchen.
- Werbung: Anzeigen über Werbenetzwerke wie Google AdSense bringen Einnahmen abhängig von der Reichweite.
Durch diese Mischung bleibe der Blog flexibel und könne Qualität und Nutzererfahrung laufend verbessern, sagt Hirzberger. Ein Blick auf die Seite bestätigt das Modell: Unter den Artikeln steht ein Hinweis auf Affiliate-Links.
Das Modell hat eine klare Logik. Affiliate-Einnahmen hängen davon ab, dass Leser mit Kaufabsicht kommen – also Menschen, die eine Reise konkret planen. Werbung belohnt dagegen schiere Reichweite. Wer beides kombiniert, ist weniger abhängig von einem einzelnen Partner oder Netzwerk.
Reisen und Arbeiten: die größte Herausforderung
Was ist beim Reisen und Bloggen am schwierigsten?
Die größte Herausforderung sei der Spagat zwischen Erleben und Produzieren, sagt Hirzberger. Man wolle den Moment genießen, müsse aber gleichzeitig fotografieren, recherchieren und Notizen für den Blog sammeln.
Ihre Lösung ist Organisation. Es gibt feste Zeiträume für die Content-Erstellung, die meist in der reisefreien Zeit liegen. Unterwegs wird gesammelt, zu Hause geschrieben.
Für Selbstständige in kreativen Berufen ist das eine bekannte Lektion: Produktion und Akquise brauchen eigene Zeitfenster. Wie du deinen Content langfristig planst, statt nur spontan zu veröffentlichen, zeigt unser Fahrplan zur Content-Strategie für Solopreneure.
Pinterest als Reichweitenmotor
Welche Rolle spielen soziale Medien in deiner Marketingstrategie?
Soziale Medien sind für Hirzberger ein wichtiger Teil der Strategie, allen voran Pinterest. Dort erreiche sie vor allem Menschen, die gezielt nach Reiseinspiration oder konkreten Tipps suchen, und gewinne so neue Leserinnen und Leser für den Blog.
Entscheidend sei, regelmäßig hochwertige Inhalte zu posten und mit der Community im Austausch zu bleiben. Der Grund, warum Pinterest für Reiseinhalte so gut funktioniert: Nutzer planen dort, sie scrollen nicht nur. Ein Pin zu „Koh Samui in einer Woche“ führt direkt zu einem Artikel, der genau diese Frage beantwortet.
Glaubwürdigkeit als wichtigstes Kapital
Ein Reiseblog verkauft am Ende Vertrauen. Leser buchen über einen Link nur dann, wenn sie dem Urteil dahinter trauen. PlacesofJuma setzt dabei sichtbar auf eigene Erfahrung: Auf der Über-uns-Seite heißt es, Stock-Bilder seien die Ausnahme, die beiden fotografierten selbst.
Dazu kommt Kontinuität. Wer über Jahre dieselben Regionen bereist und Artikel regelmäßig aktualisiert, baut einen Bestand auf, der in Suchmaschinen und bei Lesern gleichermaßen Gewicht hat. Auf der eigenen Website verweist PlacesofJuma zudem auf Listungen in mehreren Blog-Rankings und auf Berichte in österreichischen Medien.
Für Gründer in anderen Branchen gilt dasselbe Prinzip: Echte Expertise, sichtbar belegt, ist schwer zu kopieren. Sie ist der Burggraben eines kleinen Content-Geschäfts.
Die Risiken des Modells
So attraktiv das Modell klingt, es hat Schwachstellen, die du kennen solltest:
- Abhängigkeit von Suchmaschinen: Ändert Google seine Algorithmen oder beantwortet Fragen direkt in den Ergebnissen, kann der Traffic spürbar sinken.
- Schwankende Provisionen: Affiliate-Partner passen ihre Konditionen an, und in Krisen bricht die Reiselust schnell ein.
- Saisonalität: Reiseplanung folgt dem Kalender, die Einnahmen tun es auch.
- Hoher Zeitaufwand: Recherche vor Ort, Fotos und Aktualisierungen kosten Zeit und Reisebudget, bevor sich ein Artikel rechnet.
Die Antwort darauf ist dieselbe, die Hirzberger beschreibt: mehrere Einnahmequellen, mehrere Kanäle und ein Bestand an Inhalten, der auch in schwächeren Monaten Leser bringt.
Was Gründer von diesem Reiseblog lernen können
Die Geschichte von PlacesofJuma ist kein Einhorn-Märchen, sondern ein Beispiel für organisches, kapitalarmes Wachstum. Vier Muster lassen sich auf viele digitale Geschäftsmodelle übertragen:
- Nische mit Tiefe: Wenige Länder, die man wirklich kennt, schlagen viele Länder, die man nur einmal gesehen hat.
- Nutzen vor Selbstdarstellung: Planungshilfe zieht Suchanfragen an, Tagebuch-Posts selten.
- Mehrere Einnahmequellen: Affiliate und Werbung puffern sich gegenseitig ab.
- Kanal mit Suchabsicht: Pinterest und Suchmaschinen bringen Leser, die etwas vorhaben.
Wer selbst einen Reiseblog gründen will, sollte die Formalien früh klären. Sobald Affiliate- oder Werbeeinnahmen fließen, ist der Blog in der Regel eine gewerbliche Tätigkeit. Für Österreich erklärt die Wirtschaftskammer, welche Gewerbe Content Creator brauchen, in Deutschland meldest du ein Gewerbe beim Gewerbeamt an. Einen Überblick über alle Schritte gibt unser Leitfaden Selbstständig machen.
Ebenso wichtig ist die Kennzeichnung: Affiliate-Links und bezahlte Kooperationen müssen für Leser erkennbar sein. Der Leitfaden der Medienanstalten zur Werbekennzeichnung in Online-Medien empfiehlt etwa ein Sternchen am Link plus Erklärung in unmittelbarer Nähe. Und weil Provisionen steuerpflichtige Betriebseinnahmen sind, lohnt ein Blick in unseren Leitfaden Steuern als Selbstständiger.
So startest du deinen eigenen Reiseblog
Wenn dich die Geschichte von Martina Hirzberger inspiriert, beginne klein und konkret:
- Wähle zwei oder drei Reiseziele, über die du mehr weißt als die meisten.
- Schreibe Artikel, die eine Planungsfrage vollständig beantworten.
- Fotografiere selbst und dokumentiere unterwegs systematisch.
- Plane feste Schreibzeiten außerhalb der Reisen ein.
- Baue früh einen Kanal mit Suchabsicht auf, etwa Pinterest.
- Kläre Gewerbe, Steuern und Werbekennzeichnung, bevor der erste Euro fließt.
Rechne mit Jahren, nicht Monaten. PlacesofJuma zeigt, dass aus Leidenschaft ein Beruf werden kann, wenn Ausdauer, Fachwissen und ein klares Geschäftsmodell zusammenkommen.
Kann man mit einem Reiseblog Geld verdienen?
Ja, typische Einnahmequellen sind Affiliate-Provisionen, Werbeanzeigen und Kooperationen. Bis ein Blog davon leben kann, vergehen aber meist mehrere Jahre mit regelmäßiger Arbeit.
Wer steckt hinter PlacesofJuma?
Hinter dem Blog stehen Martina Hirzberger und ihr Partner Jürgen aus Österreich. Sie reisen nach eigener Angabe seit über 20 Jahren gemeinsam und bloggen seit 2017.
Brauche ich für einen Reiseblog ein Gewerbe?
Sobald du mit Affiliate-Links, Werbung oder Kooperationen Einnahmen erzielen willst, ist das in der Regel eine gewerbliche Tätigkeit. In Deutschland meldest du sie beim Gewerbeamt an, in Österreich bei der Gewerbebehörde.
Muss ich Affiliate-Links kennzeichnen?
Ja, kommerzielle Links müssen für Leser erkennbar sein. Üblich ist ein Sternchen am Link mit einer kurzen Erklärung in direkter Nähe.
Welche sozialen Netzwerke eignen sich für einen Reiseblog?
Besonders gut funktionieren Kanäle, auf denen Nutzer gezielt planen, etwa Pinterest. Martina Hirzberger nutzt Pinterest, um Menschen mit konkreter Reiseabsicht auf den Blog zu holen.
Wie lange dauert es, bis ein Reiseblog erfolgreich ist?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Suchmaschinen-Reichweite wächst langsam, daher solltest du mit mehreren Jahren rechnen, bis ein Reiseblog verlässliche Einnahmen bringt.
