Derzeit passiert innerhalb der digitalen Ökonomie etwas, das besonders für Start-ups von strategischer Bedeutung ist. Waren es in den vergangenen zwei Jahrzehnten besonders zentrale Plattformen, die den Ton angaben, so rücken nun offene Protokolle in den Fokus.
Die Zeiten geschlossener Systeme mit klaren Eigentümern neigen sich ihrem Ende zu. Immer mehr Netzwerke entstehen, die auf gemeinschaftlicher Nutzung, Transparenz und technischer Offenheit basieren. Gründerinnen und Gründern verlangt das ein technologisches und ökonomisches Umdenken ab.
Vom Plattformmodell zur Protokollökonomie
Auf der klassischen Plattform zeigen sich Angebot und Nachfrage gebündelt. Die Datenströme sind kontrolliert und die Zugänge monetarisiert. Keine Frage, in den vergangenen Jahren hat dieses Modell enorme Skaleneffekte ermöglicht, doch es ist auch anfällig für Abhängigkeiten, regulatorische Eingriffe und Vertrauensverluste.
Die modernen, dezentralen Protokolle verfolgen einen anderen Ansatz. Sie stellen eine offene Infrastruktur bereit, auf der Services, Anwendungen und Geschäftsmodelle aufbauen können, ohne dass eine zentrale Instanz die Spielregeln einseitig bestimmt.
Für Start-ups eröffnen sich so natürlich enorme Freiräume. Nicht mehr länger müssen sie ein komplettes Ökosystem selbst betreiben, sie können jetzt auf bestehende Protokolle zurückgreifen und sich deutlich stärker auf das Nutzererlebnis, das Produkt oder die Spezialisierung konzentrieren.
Die Innovation verlagert sich damit von der Kontrolle hin zur Teilnahme.
Netzwerkeffekte ohne zentrale Kontrolle
Einer der großen Vorteile der dezentralen Protokolle liegt in den offenen Netzwerkeffekten. Je mehr Akteure sich zur Teilnahme entschließen, desto wertvoller wird das System. Außerdem ist es nicht mehr länger ein einzelnes System, das die gesamte Wertschöpfung abschöpft.
Diese Logik ist
gerade für junge Unternehmen attraktiv, da sie echte Kooperation statt künstlicher Konkurrenz begünstigt.
Kennzahlen, die öffentlich einsehbar sind, spielen dabei immer eine wichtige Rolle. Marktindikatoren wie der
Uniswap-Tokenpreis sind häufig ein Gradmesser für die Aktivität, das Vertrauen und die Nutzung eines Protokolls.
Sie ergänzen und ersetzen sogar klassische Wachstumsmetriken durch Daten, die in Echtzeit verfügbar sind und allen Marktteilnehmern offenstehen.
Protokolle bilden die Infrastruktur neuer Geschäftsmodelle
Bei den Protokollen handelt es sich nicht um Produkte im klassischen Sinn. Vielmehr fungieren sie als eine technologische Basis, die vergleichbar mit dem Internetprotokoll
oder offenen Programmierschnittstellen ist.
Auf ihnen entstehen vielfältige Anwendungen, ohne dass jedes Mal das Rad neu erfunden werden muss.
Gerade für Start-ups reduzieren sich so die Markteintrittsbarrieren, während sich gleichzeitig die Entwicklungszyklen beschleunigen.
Die Wertschöpfung verschiebt sich, Einnahmen entstehen nicht mehr ausschließlich durch Gebühren oder Werbung, sondern auch durch die Beteiligung an Netzwerken,
an Governance-Modellen oder tokenbasierten Anreizsystemen.
Gründer müssen daher nicht nur unternehmerisch, sondern auch systemisch denken.
Transparenz ist ein Wettbewerbsvorteil
Den Protokollen liegt eine inhärente Transparenz zugrunde. Der Code, die Transaktionen und die Regeln sind öffentlich einsehbar. Vertrauen entsteht dadurch nicht durch die Marktversprechen,
sondern durch die Nachvollziehbarkeit.
Gerade in den frühen Wachstumsphasen bedeutet das einen entscheidenden Vorteil gegenüber den intransparenten Plattformmodellen.
Die Offenheit, die sich bei diesen Modellen zeigt, führt gezwungenermaßen zu einer höheren Professionalität. Kein Fehler kann versteckt werden und jede Entscheidung ist dauerhaft dokumentiert.
Die Lernkurve ist damit steil, aber es bietet sich auch die Chance, von Beginn an belastbare und zuverlässige Strukturen aufzubauen. Der grundlegende Paradigmenwechsel ist in vollem Gang.