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Selbstständigkeit trotz Krise: In diesen deutschen Städten gibt es die meisten Neugründungen
15.5.2026
Selbstständigkeit trotz Krise: In diesen deutschen Städten gibt es die meisten Neugründungen – und genau das ist eine Schlagzeile, die Mut macht. Denn du erlebst es selbst: Die Wirtschaft in Deutschland ist in den letzten Jahren alles andere als in Hochform. Stagnation, Rezession, Preisschocks. Trotzdem lassen sich viele Menschen nicht unterkriegen und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit.
Aber wo ist dieser unternehmerische Spirit besonders groß? Welche Städte zeigen sich als Hotspots für Gründer und Gründerinnen – und wo herrscht eher Flaute? Der Trend ist eindeutig: Trotz aller Widrigkeiten entstehen in deutschen Großstädten mehr neue Unternehmen als geschlossen werden. Was das über Chancen, Risiken und Zukunftsperspektiven aussagt, liest du hier.
Unternehmergeist in der Krise: Warum gerade jetzt viele gründen
Du liest täglich von wirtschaftlichen Herausforderungen: Inflation, Fachkräftemangel, Transformationsdruck. Doch genau das kann ein Nährboden für unternehmerisches Denken sein. Viele Beschäftigte erleben Unsicherheiten am Arbeitsmarkt und suchen nach Alternativen. Nicht selten endet diese Suche im Entschluss, selbst ein Unternehmen zu gründen – sei es als Freelancer, Handwerksbetrieb, Tech-Startup oder Solo-Selbstständiger im Nebengewerbe. Die Gründe sind vielfältig: der Wunsch nach Unabhängigkeit, die Hoffnung auf Selbstverwirklichung, aber auch die Notwendigkeit, neue Einkommensquellen zu erschließen.
Die Zahlen belegen das: Im Jahr 2023 und 2024 sind in Deutschland mehr Unternehmen gegründet als geschlossen worden. Und das, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen objektiv schwierig waren. In konkret ausgedrückt: In sämtlichen 50 größten Städten Deutschlands überstieg die Zahl der Neugründungen die Anzahl der Geschäftsaufgaben – und das zum Teil deutlich.
Leverkusen, Köln und Düsseldorf: NRW dominiert die Gründungs-Hotspots
Vielleicht überrascht dich das Ranking. Tatsächlich liegt Leverkusen mit 28,23 Unternehmensgründungen pro 1.000 Einwohner deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 15,05. Danach folgen Köln (22,03), Düsseldorf (20,98), Berlin (20,84) und Hamburg (20,49). Die Top 10 wird durch Bonn, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mönchengladbach und Kassel komplettiert. Allein fünf der zehn Städte mit der größten Gründungsdynamik befinden sich in Nordrhein-Westfalen. Das unterstreicht, wie stark regionale Ökonomie, Politik und Kultur das Gründungsgeschehen beeinflussen.
Doch was macht diese Städte besonders attraktiv? Einer der wichtigsten Faktoren: planbare und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen. Leverkusen beispielsweise überzeugt mit einem vergleichsweise niedrigen Gewerbesteuerhebesatz von 250 Prozent, was eine effektive steuerliche Belastung von nur 8,75 Prozent bedeutet. Für viele Gründer ist das ein schlagendes Argument, den Schritt in die Selbstständigkeit gerade dort zu wagen.
Berlin: Gründerhauptstadt bleibt Taktgeber der Szene
Berlin verpasst zwar knapp das Siegerpodest, bleibt aber weiterhin ein Magnet für Startups, Kreative und Freelancer. Die Hauptstadt zieht Menschen aus ganz Deutschland und der Welt an, die ihre Geschäftsideen verwirklichen wollen. Vielfältige Fördermöglichkeiten, ein internationaler Spirit und ein enormes Netzwerk potenzieller Partner und Investoren machen Berlin zur Gründerhauptstadt der Republik. Zudem gibt es eine ausgeprägte Szene für Co-Working, digitale Dienstleistungen und innovative Geschäftsmodelle – ein klarer Vorteil gegenüber konservativeren Regionen, in denen Selbstständigkeit häufig noch als Risiko wahrgenommen wird.
Regionale Unterschiede: Wo der Unternehmergeist schwächelt
Du möchtest wissen, wo die Gründungsdynamik dagegen schwach ist? Am unteren Ende des Rankings stehen Halle (Saale) mit 10,16 Gründungen je 1.000 Einwohner sowie Magdeburg und Braunschweig. Auch Rostock, Stuttgart, Dresden, Potsdam, Gelsenkirchen, Chemnitz und Aachen zeigen unterdurchschnittliche Werte. Besonders auffällig: Sechs der zehn Städte mit der geringsten Gründungsaktivität liegen in Ostdeutschland. Der Unterschied zur Spitze ist dramatisch: In Leverkusen entstehen fast dreifach so viele neue Unternehmen je Einwohner wie in Halle.
Die Ursachen sind vielfältig. Während einige Regionen unter Abwanderung leiden, fehlt es andernorts an Strukturen, Netzwerken oder günstigen steuerlichen Anreizen. Hinzu kommt, dass der Schritt in die Selbstständigkeit dort noch stärker mit Unsicherheit verbunden wird. Dennoch zeigt sich auch in diesen Städten: Selbst in der Krise geben auch hier mehr Menschen neue Geschäftsmodelle eine Chance, als dass sie aufgeben – wenn auch auf niedrigerem Niveau.
Neugründungen gegen Geschäftsaufgaben: Ein Blick auf die Salden
Das vielleicht ermutigendste Signal: Überall wurden trotz Krise mehr Unternehmen gegründet als aufgegeben. Besonders in Köln ergibt sich ein beeindruckender Überschuss: 65,32 Prozent mehr Gründungen als Geschäftsaufgaben. Stuttgart (51,74 Prozent) und Hamburg (48,6 Prozent) folgen dichtauf. Auch in Mannheim und Münster bleibt die Differenz weit über dem bundesweiten Mittel.
Deutlich knapper fällt der Überschuss hingegen in Wuppertal und Wiesbaden aus – hier sind es jeweils nur rund vier Prozent. In Kassel, Rostock oder Duisburg bewegt sich der Saldo ebenfalls unter dem Bundesschnitt. Was lässt sich daraus ableiten? Während in echten Gründungshochburgen offenbar viele Chancen und Ressourcen locken, reicht in anderen Städten oft schon ein schwieriges Jahr, um den Unternehmergeist empfindlich zu dämpfen.
Nicht jede Gründung bedeutet Aufbruchsstimmung
Ein wichtiger Punkt: Erhöhte Gründungszahlen sind nicht immer gleichbedeutend mit ausbrechender Innovationsfreude. Sie spiegeln oft auch Trends wie den schwierigen Zugang zu klassischen Jobs wider. Gerade in angespannten Arbeitsmärkten entsteht Selbstständigkeit häufig aus der Not heraus oder als Nebenerwerb. Das kann seine ganz eigenen Erfolgsgeschichten hervorbringen, stellt aber gleichzeitig eine Herausforderung für die Stabilität und Nachhaltigkeit der Gründerszene dar.
Warum Gründerstandorte punkten – und was Newcomer brauchen
Das Beispiel Leverkusen zeigt deutlich: Es sind nicht nur Leidenschaft und Innovation, die Gründungen ermöglichen. Entscheidend sind die Bedingungen vor Ort. Je geringer das finanzielle Risiko, je klarer die gesetzlichen Vorgaben, desto größer die Bereitschaft, Neues zu wagen.
Standorte mit niedrigen Gewerbesteuersätzen, gut zugänglichen Beratungs- und Unterstützungsangeboten und einem offenen Netzwerk für Gründer und Gründerinnen sind im Vorteil. Hinzu kommt die Bedeutung einer lebendigen Community: Wo Austausch auf Augenhöhe möglich ist, entstehen nachhaltigere Geschäftsmodelle und neue Kooperationen. Die Möglichkeit, unkompliziert Feedback und Orientierung zu erhalten – etwa von anderen Selbstständigen, Coaches oder digitalen Tools wie spezialisierten Steuer-Apps – wirkt als Katalysator.
Herausforderungen und Perspektiven: Was Gründer jetzt beachten sollten
Auch wenn die Zahlen Mut machen: Der Weg in die Selbstständigkeit bleibt anspruchsvoll. Neben der Frage nach dem passenden Geschäftsmodell stellt sich direkt die Herausforderung, alle steuerlichen und rechtlichen Vorgaben im Blick zu behalten. Eine solide Vorbereitung, fachkundige Beratung und ein gutes Gespür für Marktchancen sind entscheidend. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es wichtig, Einnahmeschwankungen einzuplanen und die Kostenstruktur zu optimieren.
Außerdem solltest du als Gründer regelmäßig prüfen, welche lokalen Fördermöglichkeiten, Steuervergünstigungen oder Netzwerksupports für dich in Frage kommen. Nicht zuletzt ist es ratsam, Einnahmen und Ausgaben von Anfang an sauber zu dokumentieren – etwa mit digitaler Buchhaltung oder Unterstützungsangeboten, die speziell auf Einzelunternehmer und kleine Teams zugeschnitten sind.
Krisenzeiten als Chance für neues Unternehmertum
Warum werden gerade in der Krise so viele neue Unternehmen gegründet? Neben klassischen Motiven wie der Suche nach mehr Autonomie und Sinn spielen vor allem Flexibilität und Digitalisierung eine große Rolle. Viele neue Unternehmen setzen auf skalierbare, digitale Geschäftsmodelle, auf Online-Services oder Plattformen, die mit geringem Kapitaleinsatz schnell starten können. Die Schwelle zum Unternehmertum ist damit niedriger als je zuvor.
Außerdem: Aus der Not entstandene Gründungen sind keinesfalls minderwertig. Im Gegenteil – viele der heute erfolgreichsten Geschäftsmodelle haben in schwierigen Zeiten ihren Anfang genommen. Was zählt, ist die Bereitschaft, Herausforderungen mutig anzugehen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.
Fazit: Gründungsboom trotz Rezession – und was du daraus machen kannst
Zusammengefasst: Trotz einer herausfordernden Wirtschaftslage bleibt die Selbstständigkeit in Deutschland attraktiv. Die Analyse der 50 größten Städte zeigt, dass vor allem dort viele gründen, wo die Bedingungen stimmen: planbare Steuern, aktive Netzwerke und eine offene Kultur. Regionen, die das fördern, haben die Nase vorn und ziehen kreative Köpfe und Macher an.
Deine eigenen Chancen steigen, wenn du dich gut vorbereitest, den passenden Standort wählst und frühzeitig von erprobten Tools und Netzwerken profitierst. Egal, ob du in einer Gründungsmetropole wie Leverkusen oder Berlin starten willst – Knowhow, Unterstützung und die richtige Strategie machen oft den Unterschied.
Die Krise mag viele Herausforderungen bringen, aber sie eröffnet eben auch neue Wege. Vielleicht wird gerade jetzt der Grundstein für dein eigenes, erfolgreiches Unternehmen gelegt.
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