Zwischen Produktentwicklung, Pitch Decks und dem ersten zahlenden Kunden rutscht ein Thema bei vielen Gründer:innen ganz nach hinten: die digitale Sicherheit. Das rächt sich meistens dann, wenn es schon zu spät ist. Dabei lassen sich die größten Risiken mit ein paar Grundlagen bereits in der Frühphase abfangen.
Kleine Teams, großes Risiko
Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Konzerne. Junge Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung sind für Angreifer:innen besonders attraktiv, weil sie selten über professionelle Schutzmaßnahmen verfügen. Der Digitalverband Bitkom hat für das Jahr 2024 ermittelt, dass 81 Prozent aller deutschen Unternehmen von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen waren. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft stieg dabei auf rund 266,6 Milliarden Euro. Für ein Startup in der Seed-Phase reicht schon ein einziger Vorfall, um das mühsam aufgebaute Vertrauen bei Kund:innen zu zerstören.
Verschlüsselte Kommunikation gehört dazu
E-Mails bleiben der Kanal, über den die meisten Geschäftsabsprachen laufen. Vertragsentwürfe, Zugangsdaten, Kundenlisten – alles landet im Postfach. Genau deshalb lohnt sich eine verschlüsselte E-Mail-Adresse, die die Inhalte bereits auf dem Transportweg absichert. Bei der Wahl des Anbieters lohnt ein Blick auf den Serverstandort und darauf, ob Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmäßig aktiv ist. Viele Dienste werben zwar mit Sicherheit, verschlüsseln aber längst nicht jede Nachricht automatisch.
Bei Messengern gilt ein ähnliches Prinzip. Tools mit eingebauter Verschlüsselung schützen den Austausch zwischen Mitgründer:innen und dem restlichen Team vor neugierigen Blicken. Ganz nebenbei signalisiert ein durchdachtes Sicherheitskonzept auch Professionalität gegenüber Geschäftspartner:innen und potenziellen Investor:innen.
Passwörter und Zugänge richtig absichern
Ein einziges gestohlenes Passwort genügt häufig, um auf Buchhaltung, Cloud-Speicher oder Kundendaten zuzugreifen. Trotzdem verwenden erstaunlich viele Teams dasselbe Passwort für mehrere Dienste gleichzeitig. Ein Passwort-Manager und die Zwei-Faktor-Authentifizierung sollten deshalb von Anfang an zum Standard gehören.
- Für jeden Dienst ein eigenes, langes Passwort statt Mehrfachnutzung
- Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle Business-Accounts aktivieren
- Zugriffsrechte dokumentieren und bei Teamwechseln sofort anpassen
Zugangsdaten gehören nie in eine gemeinsame Tabelle. Ein Passwort-Manager mit Freigabefunktion erledigt das sicherer und spart im Alltag Zeit.
Fehler, die Startups teuer bezahlen
Die meisten Sicherheitsvorfälle entstehen nicht durch ausgeklügelte Hackerangriffe. Geteilte Logins, fehlende Backups oder unverschlüsselte Anhänge verursachen einen großen Teil der Datenpannen bei jungen Unternehmen. Wer Zwei-Faktor-Authentifizierung für Admin-Zugänge bereits beim Aufbau der technischen Infrastruktur verankert, schützt die wichtigsten Konten von Beginn an und muss später nicht mühsam nachrüsten. Nachträgliches Aufrüsten kostet erfahrungsgemäß deutlich mehr.
Ein weiterer Klassiker zeigt sich, sobald Mitarbeitende private Geräte für Firmenmails oder Kundendaten nutzen, ohne dass dafür klare Regeln existieren. Schon eine kurze schriftliche Richtlinie zu erlaubten Geräten und Apps reduziert dieses Risiko erheblich.
Datenschutz als Gewohnheit statt als Projekt
Bei der Verarbeitung personenbezogener Daten braucht es mit Cloud-Anbietern und anderen Dienstleistern einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Artikel 28 der DSGVO. Das klingt bürokratisch, lässt sich aber mit den meisten Anbietern unkompliziert abschließen. Für spätere Investor:innen-Prüfungen schafft so ein Vertrag obendrein Klarheit über Verantwortlichkeiten und Datenflüsse.
Eine kurze Übersicht darüber, welche Tools das Team nutzt und wer worauf zugreifen darf, hilft ebenfalls. Dazu gehört auch ein knapper Notfallplan mit zwei oder drei Ansprechpersonen. Das reicht für den Anfang vollkommen aus und erspart im Ernstfall wertvolle Minuten.
Plane einmal im Quartal einen festen Termin, um Zugänge, Tools und Berechtigungen durchzugehen. Ausgeschiedene Mitarbeitende oder alte Testkonten bleiben sonst leicht unbemerkt aktiv.
