Selbstständig sein, aber nicht bei null anfangen: Genau das verspricht Franchising. Rund 148.600 Franchisenehmer haben 2024 in Deutschland zusammen mehr als 149 Milliarden Euro umgesetzt, wie der Jahresbericht des Deutschen Franchiseverbands zeigt. Wer ein Franchise gründen will, übernimmt ein erprobtes Geschäftskonzept, eine bekannte Marke und Unterstützung durch den Franchisegeber – und zahlt dafür Gebühren und gibt einen Teil seiner Freiheit ab.
Dieser Leitfaden erklärt dir, wie Franchising funktioniert, für wen es sich eignet, welche Kosten anfallen und wie du in sechs Schritten ein Franchise gründen kannst, ohne in die typischen Fallen zu tappen.
Kurz beantwortet: Wie kann ich ein Franchise gründen?
Um ein Franchise zu gründen, wählst du ein passendes Franchisesystem, prüfst es gründlich, kalkulierst Kosten und Ertrag, lässt den Franchisevertrag prüfen, sicherst die Finanzierung und gründest dein eigenes Unternehmen als Franchisenehmer. Die Schritte im Überblick:
- Eigene Ziele, Stärken und Budget klären
- Franchisesysteme recherchieren und vergleichen
- Gespräche mit Franchisegeber und bestehenden Partnern führen
- Businessplan mit realistischen Zahlen erstellen
- Franchisevertrag anwaltlich prüfen lassen
- Finanzierung sichern, Unternehmen gründen und starten
Was ist ein Franchise-Unternehmen?
Beim Franchising stellt ein Franchisegeber sein Geschäftsmodell – Marke, Know-how, Prozesse, Einkauf und Marketing – gegen Gebühr zur Verfügung. Der Franchisenehmer betreibt einen eigenen Standort als rechtlich selbstständiger Unternehmer. Er trägt das unternehmerische Risiko, profitiert aber von einem Konzept, das bereits am Markt funktioniert.
Franchising gibt es in fast allen Branchen: Gastronomie, Handel, Fitness, Dienstleistungen, Nachhilfe, Pflege oder Handwerk. Manche Systeme verlangen eine große Investition in Ladenlokal und Ausstattung, andere lassen sich mit wenig Kapital aus dem Homeoffice starten.
Franchise-Unternehmen: Branchen und Beispiele
Franchising ist in Deutschland breit aufgestellt. Ein Blick auf bekannte Systeme zeigt, wie unterschiedlich die Modelle sind:
- Gastronomie und Bäckereien: hoher Investitionsbedarf, dafür planbare Abläufe und starke Marken.
- Handel: etwa Fachmärkte für Tierbedarf wie Fressnapf mit fester Ladenfläche und zentralem Einkauf.
- Immobilien und Hausbau: Systeme wie Engel & Völkers oder Town & Country Haus setzen auf Beratung und Vertrieb.
- Bildung: Nachhilfeschulen wie Studienkreis oder Schülerhilfe mit geringeren Investitionen.
- Fitness und Gesundheit: Studios und Gesundheitskonzepte mit Fokus auf Mitgliedschaften.
- Dienstleistungen: Reinigung, Betreuung oder Handwerk, oft mit kleinem Startkapital.
Die Wahl der Branche bestimmt, wie viel Kapital du brauchst, wie viele Mitarbeitende du führst und wie dein Arbeitsalltag aussieht. Wähle deshalb zuerst die Branche, die zu dir passt, und erst dann die Marke.
Vorteile und Nachteile, wenn du ein Franchise gründest
Ein Franchise gründen ist kein Selbstläufer. Es tauscht Risiken gegen Abhängigkeiten. Die wichtigsten Punkte im Vergleich:
Vorteile:
- Erprobtes Konzept: Du startest mit einem Modell, das an anderen Standorten bereits funktioniert.
- Bekannte Marke: Kunden kennen den Namen, das senkt die Kosten für die Kundengewinnung.
- Schulung und Begleitung: Einarbeitung, Handbuch und laufende Unterstützung durch die Systemzentrale.
- Einkaufsvorteile: Bessere Konditionen bei Lieferanten durch gemeinsame Einkaufsmacht.
- Leichtere Finanzierung: Banken bewerten bekannte Systeme oft positiver.
Nachteile:
- Laufende Gebühren: Ein Teil deines Umsatzes geht an den Franchisegeber, egal ob du Gewinn machst.
- Wenig Spielraum: Sortiment, Auftritt und Abläufe sind vorgegeben.
- Abhängigkeit: Fehler oder Imageprobleme der Zentrale treffen auch deinen Standort.
- Vertragsbindung: Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren sind üblich, ein früher Ausstieg ist teuer.
Für wen eignet sich Franchising?
Franchising passt gut zu Menschen, die unternehmerisch handeln wollen, aber kein eigenes Konzept entwickeln möchten. Typische Franchisenehmer sind Quereinsteiger mit Führungserfahrung, Fachkräfte aus der jeweiligen Branche oder Gründer, die das Risiko einer völlig neuen Idee scheuen.
Weniger geeignet ist ein Franchise für Menschen, die gern eigene Ideen umsetzen und Regeln hinterfragen. Wer jede Entscheidung selbst treffen will, ist mit einer eigenen Gründung besser bedient – unser Leitfaden Unternehmen gründen zeigt dir die Alternativen.
Was kostet es, ein Franchise zu gründen?
Die Kosten unterscheiden sich stark zwischen den Systemen. Wenn du ein Franchise gründen willst, solltest du diese Posten kennen:
- Einstiegsgebühr: einmalig für Lizenz, Schulung und Starthilfe, je nach System von wenigen Tausend bis zu mehreren Zehntausend Euro.
- Laufende Franchisegebühr: meist ein Prozentsatz vom Umsatz, häufig im einstelligen Bereich.
- Werbegebühr: ein zusätzlicher Anteil für überregionales Marketing.
- Investitionen: Ladenlokal, Umbau, Ausstattung, Fahrzeuge, Erstausstattung mit Ware.
- Anlaufkosten: Personal, Miete und Lebenshaltung bis zum Break-even.
Frag den Franchisegeber nach der Gesamtinvestition und nach realen Zahlen bestehender Standorte. Seriöse Systeme legen ihre Gebühren offen und nennen Ansprechpartner aus dem Netzwerk.
Franchise gründen in 6 Schritten
1. Eigene Ziele und Budget klären
Überlege, in welcher Branche du arbeiten willst, wie viel Eigenkapital du hast und welches Einkommen du brauchst. Ein Fitnessstudio verlangt andere Fähigkeiten und Summen als ein mobiler Dienstleister.
2. Franchisesysteme vergleichen
Recherchiere mehrere Systeme in deiner Wunschbranche. Achte auf das Alter des Systems, die Zahl der Standorte, die Entwicklung der letzten Jahre und darauf, wie viele Partner das System wieder verlassen haben. Eine Mitgliedschaft im Franchiseverband ist ein Qualitätsindiz, aber keine Garantie.
Gute Anlaufstellen für die Suche sind Franchise-Messen, die Systemporträts des Franchiseverbands und Franchise-Portale. Lege dir eine Vergleichstabelle an mit Investition, Gebühren, Gebietsschutz, Schulungsangebot und Zahl der Standorte. So erkennst du schnell, welche zwei oder drei Systeme eine genauere Prüfung verdienen.
3. Gespräche mit Partnern führen
Der wichtigste Schritt: Sprich mit mehreren bestehenden Franchisenehmern – nicht nur mit denen, die dir die Zentrale empfiehlt. Frag nach Umsatz, Arbeitszeit, Unterstützung und was sie heute anders machen würden. Der Franchisegeber ist zudem verpflichtet, dich vor Vertragsschluss umfassend und wahrheitsgemäß über das System aufzuklären.
4. Businessplan erstellen
Auch wer ein Franchise gründen will, braucht einen eigenen Businessplan. Nutze die Zahlen des Systems, prüfe sie aber kritisch und rechne mit vorsichtigen Annahmen für deinen Standort. Welches Planungsformat in welcher Phase sinnvoll ist, zeigt Businessplan vs. Lean Canvas.
5. Franchisevertrag prüfen lassen
Lass den Franchisevertrag von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen. Wichtige Punkte sind Laufzeit, Gebietsschutz, Gebühren, Bezugspflichten, Kündigungsrechte und Regelungen für den Verkauf deines Standorts.
6. Finanzierung sichern und gründen
Banken verlangen meist einen Eigenanteil. Förderkredite wie der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW können die Lücke schließen. Wie der Antrag abläuft, beschreiben wir in Gründerfinanzierung: der formelle Ablauf. Danach gründest du dein Unternehmen – als Einzelunternehmen oder GmbH – und meldest das Gewerbe an.
Franchise gründen mit wenig Eigenkapital
Nicht jedes System verlangt hohe Investitionen. Dienstleistungs- und Homeoffice-Konzepte, etwa in Nachhilfe, Reinigung, Betreuung oder Immobilienvermittlung, starten oft mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag. Manche Franchisegeber stunden die Einstiegsgebühr oder helfen bei der Bankfinanzierung.
Prüfe gerade bei günstigen Angeboten genau, wie du Umsatz erzielst und wie viele Partner tatsächlich davon leben können. Weitere Wege zeigt unser Ratgeber Selbstständig machen ohne Eigenkapital.
Franchise oder eigene Gründung?
Die Entscheidung hängt davon ab, was dir wichtiger ist: Sicherheit durch ein erprobtes Modell oder Freiheit für eigene Ideen. Mit einer eigenen Gründung behältst du jeden Euro Gewinn und alle Entscheidungen, musst aber Konzept, Marke und Abläufe selbst entwickeln. Wie aufwendig das in der Gastronomie ist, zeigt unser Beitrag zur Eröffnung eines Dönerladens.
Wer ein Franchise gründen will, kauft sich dagegen Zeit und Erfahrung ein. Rechne beide Varianten in deinem Businessplan durch: Liegt der Gewinn nach Gebühren über dem, was du mit einem eigenen Konzept realistisch erreichen würdest, spricht viel für das Franchise.
Welche Rechtsform passt für Franchisenehmer?
Viele Franchisenehmer starten als Einzelunternehmen, weil es schnell und günstig gegründet ist. Bei hohen Investitionen, Mietverträgen und mehreren Mitarbeitenden ist eine GmbH oder UG sinnvoll, um das Privatvermögen zu schützen. Manche Franchisegeber schreiben eine bestimmte Rechtsform vor – kläre das vor der Gründung und stimme die Wahl mit deinem Steuerberater ab.
Warnsignale: Daran erkennst du unseriöse Systeme
Wer ein Franchise gründen will, sollte bei diesen Signalen hellhörig werden:
- Druck zur schnellen Unterschrift ohne Zeit für Prüfung und Beratung.
- Keine echten Zahlen von bestehenden Standorten oder nur Musterrechnungen.
- Kaum Pilotbetriebe oder ein sehr junges System mit wenigen Partnern.
- Hohe Fluktuation – viele Partner, die das System nach kurzer Zeit verlassen.
- Einnahmen vor allem aus Einstiegsgebühren statt aus dem laufenden Geschäft der Partner.
Fazit: Franchise gründen mit offenen Augen
Ein Franchise gründen kann der schnellere und sicherere Weg in die Selbstständigkeit sein – wenn das System solide ist und zu dir passt. Investiere die meiste Zeit in die Prüfung: Gespräche mit Partnern, ein ehrlicher Businessplan und ein anwaltlich geprüfter Vertrag sind wichtiger als jede Hochglanzbroschüre.
Einen Überblick über weitere Gründungsvarianten wie Nachfolge oder Teamgründung bietet das Existenzgründungsportal des Bundes.
Häufige Fragen zum Franchise gründen
Was braucht man, um ein Franchise zu gründen?
Du brauchst Eigenkapital für Einstiegsgebühr und Investitionen, einen Businessplan, einen geprüften Franchisevertrag und meist eine Bankfinanzierung. Viele Franchisegeber erwarten außerdem unternehmerische oder branchenspezifische Erfahrung.
Wie viel kostet ein Franchise?
Das reicht von einem niedrigen fünfstelligen Betrag bei Dienstleistungskonzepten bis zu mehreren Hunderttausend Euro bei Gastronomie oder Handel. Dazu kommen laufende Franchise- und Werbegebühren, meist als Prozentsatz vom Umsatz.
Wie viel verdient ein Franchisenehmer?
Das hängt stark von System, Standort und Einsatz ab. Verlässliche Zahlen bekommst du nur von bestehenden Franchisenehmern desselben Systems – frag gezielt nach Umsatz, Kosten und Gewinn.
Ist ein Franchisenehmer selbstständig?
Ja. Franchisenehmer sind rechtlich selbstständige Unternehmer mit eigenem Gewerbe und tragen das unternehmerische Risiko. Sie sind aber an die Vorgaben des Franchisegebers gebunden.
Wie lange läuft ein Franchisevertrag?
Üblich sind Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren, oft mit Verlängerungsoption. Ein früherer Ausstieg ist meist nur unter bestimmten Bedingungen möglich und kann teuer werden.
Gibt es Förderung für Franchisenehmer?
Ja. Franchisenehmer können dieselben Förderprogramme nutzen wie andere Gründer, etwa den ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW, Landesförderprogramme oder den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur.
