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Ich habe mit 40 meinen Job gekündigt und ein Unternehmen gegründet: Gründer-Gehalt, Mut, Alltag, Entscheidungen – Die wahre Geschichte von Jana Krotsch
1.5.2026
Ich habe mit 40 meinen Job gekündigt und ein Unternehmen gegründet – ein Satz, der nach Neuanfang klingt, nach Freiheit und Abenteuer. Doch was bedeutet es wirklich, diese Entscheidung zu treffen – gerade dann, wenn du mitten im Leben stehst, Familienverantwortung trägst und auf ein sicheres Gehalt üblicherweise nicht verzichten möchtest?
Genau darüber spricht Jana Krotsch offen: Sie hat mit Anfang 40 ihre Karriere als Senior Project Managerin bei Munich Re beendet und ihr Erspartes genutzt, um das EdTech-Start-up UbiMaster zu gründen. Vier Jahre lang verzichtete sie dabei komplett auf ein Gehalt – und zieht eine Bilanz, die zugleich inspiriert und zur Ehrlichkeit mahnt.
Vom sicheren Job zur Solo-Gründerin: Der große Schritt in die Selbstständigkeit
Wohl kaum eine Entscheidung verändert dein Leben so grundlegend wie der mutige Schritt, deine Karriere hinter dir zu lassen und dich ins Unbekannte zu stürzen. Jana Krotsch stand 2018 genau an diesem Scheideweg. Rückblickend schildert sie eindrücklich, wie sie nach Jahren in der Konzernwelt spürte, dass sie den Großteil ihres Berufslebens nicht mehr im selben Trott verbringen wollte. Ausgelöst wurde der Sinneswandel auch durch den Blick auf ihre eigenen Kinder – und das Gefühl, dass ihr Berufsalltag nur bedingt mit ihrem Familienleben vereinbar war.
Gerade der Alltag als Mutter von drei Schulkindern zeigte ihr die Schwächen des bestehenden Bildungssystems schonungslos auf. Nachhilfe war teuer, Unterstützung in Krisenzeiten oft Mangelware. Entschlossen, einen echten Unterschied zu machen, gründete sie UbiMaster – eine digitale Nachhilfeplattform, bei der das Angebot für Familien kostenlos ist und stattdessen von Unternehmen oder Banken finanziert wird.
Zweifel, Gegenwind und Durchhaltevermögen: Was dich als Gründerin erwartet
Die Entscheidung, mit 40 den Sprung ins Gründen zu wagen, trifft auf Vorbehalte. Im Umfeld von Jana war die Skepsis groß. Viele Wegbegleiter aus klassischen Karrieren konnten nicht verstehen, warum sie alles auf eine Karte setzt – und das, obwohl es auf dem Nachhilfe-Markt doch schon genügend Anbieter gab. Gerade als Frau, Mutter und Solo-Gründerin fühlt man sich dabei oft allein.
Was in dieser Zeit half? Die Unterstützung der Familie, vor allem ihres Mannes, der nicht nur finanziell Rückhalt gab, sondern Jana auch darin bestärkte, ab und zu Abstand zum Business zu halten. “Das hat geholfen, klarer zu denken und die nötige Resilienz zu entwickeln”, fasst sie zusammen. Denn eins ist klar: Die ersten Jahre eines Start-ups sind ein einziger Ausnahmezustand.
Der Vergleich: Corporate World vs. Startup-Realität
Wenn du aus einem Konzern wie Munich Re kommst, prallen beim Gründen Welten aufeinander. Im Unternehmen gibt es klare Strukturen, Kollegen für den fachlichen Austausch, Ansprechpartner für jede noch so kleine Frage. Als Gründerin stehst du plötzlich allein auf weiter Flur. Ein starkes berufliches Netzwerk? Häufig Fehlanzeige. Die Zahl der Entscheidungen, die du plötzlich selbst treffen musst – groß und klein – ist überwältigend.
Dieser Sprung ins kalte Wasser bringt aber auch intensive Lernmomente. Jana betont rückblickend, dass sie in den vier Jahren mehr gelernt hat als in vielen Corporate-Jahren. Die Vielfalt täglicher Herausforderungen und das ständige Ringen um Lösungen bringen dich beruflich wie persönlich an einen ganz neuen Punkt.
Familie, Gründung, Alltag – ein Balanceakt ohne Sicherungsnetz
Wer glaubt, Unternehmen gründen funktioniert nebenbei, der irrt. Jana Krotsch spricht offen über den Spagat aus Muttersein und Unternehmertum. “In Wahrheit arbeitet man mindestens so viel wie im normalen Job – oft aber auch am Wochenende, abends oder nachts”, beschreibt sie die erste Zeit mit UbiMaster. Familienunterstützung, Kinderbetreuung, ein Aupair: All das braucht es, um die Belastung überhaupt stemmen zu können.
Besonders heikel: das unsichtbare Arbeiten. Während tagsüber die Kinder im Mittelpunkt stehen, wird bis spät abends oder in die Nacht gearbeitet. Dieser Rhythmus sorgt für andauernde Erschöpfung – und verlangt viel Verständnis von allen Beteiligten. Der Mythos vom flexiblen Gründerleben hat mit der Realität der ersten Jahre wenig gemein.
Vier Jahre ohne Gehalt: Wie du finanziell überlebst
Das größte Tabuthema vieler Gründerinnen und Gründer: die eigene finanzielle Unsicherheit. Jana Krotsch hat sich von Beginn an einen Notgroschen beiseitegelegt und ihre Abfindung komplett ins Business gesteckt. Der Staat stand ihr am Anfang mit einem zeitlich limitierten Gründerzuschuss zur Seite. Danach war sie auf ihre eigenen Rücklagen sowie das Gehalt ihres Mannes angewiesen, um den laufenden Lebensunterhalt zu sichern.
Parallel zu den privaten Rücklagen arbeitete sie systematisch daran, Fördergelder und Projektmittel einzuwerben. Entscheidender Punkt dabei: Diese Mittel waren ausschließlich für den Aufbau des Unternehmens bestimmt – nicht für das Gründergehalt. Das fordert Disziplin und die Bereitschaft, auch mal auf einen gewohnten Lebensstandard zu verzichten.
Das erste Gehalt: Höhe, Timing und Risiken
Erst wenn ein Unternehmen erste Umsätze erzielt, eine solide Finanzierung steht und ein eingespieltes Team im Hintergrund arbeitet, solltest du überhaupt über ein eigenes Gehalt nachdenken. Für Jana fiel dieser Zeitpunkt nach vier Jahren. Ihr erstes festes Gehalt: etwa 5.200 Euro brutto monatlich. Aus Gründerperspektive klingt das hoch, bekommt mit Blick auf Berufserfahrung, Verantwortung und die finanzielle Verantwortung als Mutter von drei Kindern aber einen anderen Stellenwert.
Janas Vorgehen war klar strategisch: Sie zahlte sich erst dann ein Gehalt aus, als das Geschäftsmodell tragfähig war, Investorengeld und laufende Kooperationen ein Sicherheitsnetz boten – und das trotz ihres vorherigen Lebensstils und Familienbedarfs. Deine individuellen Lebensumstände müssen in die Kalkulation deines ersten Gehalts genauso einfließen wie die finanzielle Lage deines Unternehmens.
Lernkurve und emotionale Achterbahn – was dich prägt
Die ersten Jahre als Gründerin bleiben Teil deiner Biografie: Nächte ohne Schlaf, große Existenzängste, aber auch innovative Meilensteine und das Gefühl, tatsächlich etwas zu bewegen. Jana Krotsch spricht offen über die emotionale Bandbreite, die mit der Selbstständigkeit einhergeht. Die Einsamkeit – gerade als weibliche Solo-Gründerin in der Tech-Szene –, aber auch das Glück, für eine Vision einzustehen.
Krisenmanagement, Dankbarkeit für kleine Erfolge, Flexibilität und Kreativität gehören fortan zu deinem Alltag. Durchatmen und Rückschläge einstecken sind notwendig, um langfristig zu bestehen. Erst mit den Jahren kommt die Routine, die schon bald wieder von neuen Herausforderungen eingeholt wird.
UbiMaster: Das Geschäftsmodell hinter dem Erfolg
Hinter UbiMaster steht eine ebenso simple wie wirksame Idee: Schüler:innen aus allen sozialen Schichten sollen Zugang zu digitaler Nachhilfe bekommen – unabhängig vom Einkommen der Familie. Über die Plattform werden die Kinder per App oder Web sofort mit qualifizierten Tutorinnen und Tutoren verbunden. Die Bezahlung übernimmt nicht die Familie, sondern Unternehmen und Kooperationspartner. So will Jana Krotsch Chancengleichheit in der Bildung fördern und gesellschaftliche Verantwortung ganzheitlich leben.
Dies erfordert auf der anderen Seite intensive Netzwerkarbeit, Überzeugungskraft und vor allem: einen langen Atem. Bis erste Zahlen die Tragfähigkeit zeigen, vergeht viel Zeit – die du als Gründerin finanziell und emotional überbrücken musst.
Tipps für deinen eigenen Weg in die Selbstständigkeit
Jana Krotsch’ Erfahrungen bieten wertvolle Orientierung für alle, die selbst darüber nachdenken, mit Anfang 40 (oder später) nochmal ganz neu anzufangen:
1. Vorbereitung ist alles
Lege dir ein finanzielles Polster zurecht, vernetze dich in der Gründerszene und tausch dich mit ehemaligen Gründerinnen aus. Je besser deine Vorbereitung, desto leichter überstehst du die Durststrecke.
2. Familie und Umfeld einbeziehen
Sprich offen mit deiner Familie über Risiken, Unsicherheiten und Hilfsbedarf. Der Rückhalt des direkten Umfelds ist langfristig entscheidend.
3. Lass dich nicht von Vorbehalten ausbremsen
Gerade in klassischen Karrierewegen stößt du als Quereinsteiger oder Gründer auf Skepsis. Lass dich davon nicht beirren – deine Vision zählt.
Fazit: Mehr Mut, weniger Mythen beim Gründen nach 40
Ich habe mit 40 meinen Job gekündigt und ein Unternehmen gegründet: Diese Entscheidung ist kein leichter Sprung ins Glück, sondern das Ergebnis harter Arbeit, vieler schlafloser Nächte – und letztlich großer persönlicher Entwicklung. Jana Krotsch zeigt, wie du auch mit Familie, Berufserfahrung und Verantwortung den Wandel wagen kannst. Wichtig ist, dass du auf dich und deine Fähigkeiten vertraust, aber auch ehrlich zu dir bleibst, was die Herausforderungen betrifft. Gründen bedeutet immer Risiko, aber auch die Chance, deine Welt – und vielleicht die Welt vieler anderer – ein Stück zu verändern.
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