Berlin ist Startup-Hauptstadt. Nirgendwo sonst in Deutschland gründen so viele Menschen neue Unternehmen, testen Geschäftsmodelle, bauen E-Commerce-Shops auf oder entwickeln physische Produkte. Und nirgendwo sonst trifft dieser Gründungsgeist so hart auf eine Realität: Gewerbeflächen in Berlin sind knapp, teuer und oft mit langen Vertragslaufzeiten verbunden – Bedingungen, die für ein junges Unternehmen mit unklarem Wachstumspfad schlicht nicht passen.
Die Folge: Viele Gründer lösen ihr Lagerproblem provisorisch. Ware in der WG, Pakete im Kofferraum, Restbestände beim Mitgründer zuhause. Das funktioniert bis zu einem bestimmten Punkt – und danach nicht mehr. Wer skalieren will, braucht Struktur. Und die muss nicht teuer sein.
Das Flächenproblem in Berlin
Berliner Gewerbemieten haben sich in den letzten Jahren spürbar verteuert. Lagerflächen in zentralen Lagen kosten je nach Bezirk zwischen 8 und 15 Euro pro Quadratmeter monatlich, in Randlagen selten unter 5 Euro. Dazu kommen Nebenkosten, Mindestmietdauern von oft zwölf bis vierundzwanzig Monaten und die Anforderung, als junges Unternehmen überhaupt einen Vermieter von der eigenen Bonität zu überzeugen.
Für ein
Startup in der Frühphase ist das ein strukturelles Problem. Der Lagerbedarf ist real, aber schwer planbar. Wächst das Geschäft schnell, reicht die Fläche nicht mehr. Wächst es langsamer als erwartet, sitzt man auf einem teuren Mietvertrag fest. Flexibilität und klassische Gewerbemiete passen selten zusammen.
Seecontainer als Alternative: Was sie leisten und was sie kosten
Ein gebrauchter 20-Fuß-Seecontainer bietet rund 33 Kubikmeter Laderaum auf einer Grundfläche von etwa 14 Quadratmetern. Für einen frühen E-Commerce-Betrieb, ein Handwerksunternehmen oder ein Startup mit physischen Produkten reicht das für den Anfang oft vollständig aus. Der Kaufpreis für einen Gebrauchtcontainer in ordentlichem Zustand liegt in Berlin zwischen 1.500 und 2.500 Euro – einmalig.
Wer einen
Seecontainer kaufen in Berlin möchte, findet regionale Anbieter, die Lieferung und Aufstellung übernehmen. Die Gesamtkosten inklusive Transport liegen realistisch zwischen 2.000 und 3.500 Euro, je nach Standort und Container-Zustand. Verglichen mit einem Jahr Lagermiete in Berlin ist das in vielen Fällen günstiger – und am Ende besitzt man ein Wirtschaftsgut statt einen Stapel Kontoauszüge.
Lean Thinking: Infrastruktur ohne Kapitalbindung auf der falschen Seite
In der Startup-Welt ist Lean ein geläufiges Prinzip. Ressourcen schonen, schnell testen, nicht mehr binden als nötig. Das gilt für Softwareentwicklung genauso wie für physische Infrastruktur. Ein Seecontainer ist in diesem Sinne eine klassisch schlanke Lösung: niedrige Einstiegskosten, keine laufenden Mietkosten, volle Kontrolle über den eigenen Lagerbestand.
Hinzu kommt ein oft übersehener Vorteil: Ein gekaufter Container ist ein Anlagegut. Er kann abgeschrieben werden, taucht in der Bilanz auf und lässt sich bei Bedarf wieder verkaufen. Der Gebrauchtmarkt für Seecontainer ist stabil – wer einen Container in gutem Zustand kauft und ihn nach zwei Jahren nicht mehr braucht, erzielt beim Weiterverkauf noch einen erheblichen Teil des Kaufpreises. Das ist etwas grundlegend anderes als Mietkosten, die schlicht weg sind.
Was Berliner Gründer bei Aufstellung und Genehmigung beachten müssen
Ein Container, der dauerhaft auf einem Grundstück steht, gilt baurechtlich als Anlage und ist in
Berlin grundsätzlich genehmigungspflichtig. Die zuständige Stelle ist das jeweilige Bezirksamt. Für temporäre Aufstellungen – etwa auf einer aktiven Baustelle oder für wenige Monate – gelten Ausnahmen, die aber eng definiert sind.
Wer den Container auf eigenem oder gepachtetem Gewerbegrundstück dauerhaft nutzen will, sollte frühzeitig eine Bauvoranfrage stellen. Das klingt bürokratisch, ist aber in der Praxis meist unkompliziert – und verhindert, dass ein bereits gelieferter Container wieder abgeholt werden muss, weil die Genehmigungslage ungeklärt ist.
Ebenfalls zu prüfen: ob der Bebauungsplan am gewünschten Standort Lagerflächen zulässt und ob Abstandsregelungen zu Nachbargrundstücken eingehalten werden. Wer ein Gewerbegrundstück mietet, sollte das mit dem Vermieter absprechen – nicht jeder Gewerbevermieter ist begeistert, wenn plötzlich ein Stahlcontainer auf dem Hof steht.
Für welche Startups es sich besonders lohnt
Nicht jedes Startup braucht einen Container. Wer ausschließlich digitale Produkte verkauft oder komplett remote arbeitet, hat keinen Nutzen davon. Aber für alle Gründer mit physischem Warenbestand – E-Commerce, Food, Hardware, Handwerk, Events, Produktion – ist die Frage nach Lagerfläche früher oder später unvermeidlich.
Gerade in der Phase zwischen „alles passt noch ins Wohnzimmer" und „wir brauchen ein echtes Lager" ist ein Seecontainer die pragmatischste Lösung. Er überbrückt diese Phase kostengünstig, ohne langfristige Bindung und ohne das Kapital zu verbrauchen, das eigentlich ins Produkt oder ins Marketing fließen sollte. In einer Stadt wie Berlin, wo jeder Euro in der Frühphase zählt, ist das kein Detail – sondern eine echte unternehmerische Entscheidung.