Wenn es um ihre Entwicklung geht, investieren viele Startups früh in Produkt, Vertrieb und Finanzierung. Nachhaltigkeit ist oft auf der Liste für später, wenn Prozesse stehen und das Team wächst. Das ist kurzfristig verständlich, führt aber in Wachstumsphasen schnell zu Reibung.
Wenn ein Startup mit größeren Kunden, Partnern oder Lieferketten zusammenarbeitet, stellen sich belastbare Fragen zu den Umweltkennzahlen. Wer dann erst beginnt, Daten zusammenzusuchen, der verliert Zeit und wirkt unvorbereitet. Ein produktbezogener CO2 Fußabdruck ist dabei keine PR Zahl, sondern die messbare Grundlage, um Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen.
Er hilft, Materialeinsatz, Fertigung, Transport und Nutzung entlang des Produktlebens besser zu verstehen und schafft Vergleichbarkeit zwischen Varianten. Nachhaltigkeit wird so zum Wachstumsfaktor.
Was beim Product Footprint wirklich gemessen wird, und wo viele Startups oft falsch anfangen
Der Product Footprint betrachtet alle Emissionen, die mit einem Produkt verbunden sind, von der Rohstoffbeschaffung über Produktion und Distribution, teilweise auch Nutzung bis hin zur Entsorgung, je nachdem wie man die Systemgrenzen zieht.
Entscheidend ist nicht die perfekte Zahl hier, sondern die gute Dokumentation: Welche Prozesse sind enthalten? Welche Daten sind gemessen, welche sind angenommen? Und wie wurden diese Annahmen getroffen?
Viele starten viel zu groß. Sie wollen alles abbilden, jede Schraube, jeden Transportkilometer, jede Verpackungsvariante. In der frühen Phase führt das oft ins Stocken. Besser ist ein iterativer Ansatz.
Erstmal ein belastbarer Baseline Wert, der die größten Treiber sichtbar macht. Zunächst langsam bessere Werte ablesen, wenn Lieferanten, Fertigung und Volumina stabiler sind und sich dann allmählich an den vollständigen
Carbon Footprint herantasten.
Datengrundlage in der Praxis
Startups können früher messen als sie denken, die wichtigsten Werte sind ja schon da.
Die Stücklisten: welche Materialien und Komponenten stecken im Produkt, in welchen Mengen, welche Varianten? Dann die Informationen zur Fertigung: kann am Anfang grob sein, welche Produktionsschritte gibt es, welche Energieformen sind dort dominant? Und dann auch
Logistik und Verpackung: welche Transportwege, Gewichte, Verpackungsmaterialien, Versandmix haben wir, was machen wir da? Das macht oft ein schönes Stück aus.
In frühen Phasen werden Lieferantendaten nie vollständig sein. Damit Annahmen aber nicht ganz frei wirken, müssen sie nach einem Muster dokumentiert werden: Quelle von der Annahme, warum, wie hoch die erwartete Unsicherheit ist und wann man plant, die Annahme durch echte Daten zu ersetzen.
So bleibt die Zahl nachvollziehbar, auch wenn sie im nächsten Quartal angepasst werden muss.
Nutzen im Alltag: Entscheidungen, die Wachstum möglich machen
Der wahre Value entfaltet sich ja dann, wenn der Footprint nicht nur als Bericht irgendwo steht, sondern in den Entscheidungen mitschwingt. Das ist im
Startup Alltag ganz konkret.
Wenn es um Produktentwicklung geht, können Varianten gut verglichen werden. Materialwechsel, andere Verpackung, veränderte Transportkette, bessere Nutzung im Versand.
Das kann abgebildet werden, bevor man es in großem Maßstab ausrollt. Im Einkauf kann man Lieferantenanfragen strukturieren. Statt schwammiger Anfragen tauchen klare Datenpunkte auf, die der Anbieter liefern soll. Im Vertrieb helfen die Zahlen, größere Kundenanfragen schneller beantworten zu können, weil die Zahlenbasis da ist und nicht erst zusammengesucht werden muss.
Und auch intern wirkt es. Die Teams kommen leichter zu Entscheidungen, wenn sie wissen, welche Schrauben echt groß sind. Oft sind es ja nur ein paar Treiber, die den Hauptanteil machen. Wer die kennt, kann viel besser Ressourcen anpacken, als dass man sich an Kleinstthemen festbeißt.