Das Gesundheitswesen gehört zu den Bereichen, die sich momentan besonders stark verändern. Telemedizin, künstliche Intelligenz und digitale Patientenservices entwickeln sich von Nischenangeboten zu wichtigen Bestandteilen der modernen Versorgung. Für Gründer und Startups entsteht daraus ein Markt mit großem Potenzial.
Gesundheit wird digitaler: Patienten suchen Informationen online, buchen Arzttermine per App, führen Videogespräche mit Ärzten, erhalten elektronische Rezepte und verwalten Gesundheitsdaten auf dem Smartphone.
Von der Videosprechstunde zur digitalen Gesundheitsplattform
Telemedizin bildet einen wichtigen Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Was zunächst vor allem als Möglichkeit für eine
Videosprechstunde erschien, umfasst heute sehr viel mehr.
Eine moderne Telemedizinplattform kann Patienten durch mehrere Schritte begleiten: von der ersten Beschreibung der Beschwerden über die ärztliche Konsultation bis zum Rezept und zur weiteren Behandlung. So verschiebt sich der digitale Arztbesuch von einer einzelnen Dienstleistung zu einem umfassenden Service.
Die Patienten sparen dadurch Anfahrtswege und Wartezeiten. Sie können medizinische Beratung auch außerhalb einer klassischen Arztpraxis erhalten. Besonders bei Beschwerden, die sich ohne körperliche Untersuchung beurteilen lassen, schafft die digitale Versorgung einen unkomplizierten Zugang.
KI als große Schnittstelle
Der nächste Entwicklungsschritt heißt künstliche Intelligenz.
KI kann medizinische Informationen vorsortieren, Fragebögen analysieren, Dokumente zusammenfassen oder Patienten dabei unterstützen, ihre Beschwerden strukturiert zu beschreiben. Auch Ärzte können von solchen Anwendungen profitieren, wenn die KI ihnen relevante Informationen schneller zugänglich macht.
Dabei sollte man KI nicht mit einem digitalen Arzt verwechseln. Medizinische Verantwortung bleibt eine menschliche Aufgabe. KI kann Prozesse unterstützen, Muster erkennen und Informationen aufbereiten. Die medizinische Entscheidung muss jedoch in einem geeigneten professionellen Rahmen erfolgen.
Für Startups eröffnet diese Entwicklung viele Möglichkeiten. Ein Unternehmen kann eine Technologie entwickeln, die bestehende medizinische Prozesse effizienter macht. Denkbar sind KI-Systeme für die Kommunikation mit Patienten, intelligente Dokumentationslösungen, Anwendungen zur Vorbereitung von Arztgesprächen oder Software, die Gesundheitsdaten verständlich aufbereitet.
Die elektronische Patientenakte als Datenbasis
Deutschland arbeitet gerade daran, die
elektronische Patientenakte besser in die Versorgung zu integrieren. Der im Juli 2026 beschlossene Entwurf für das
Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen sieht zusätzliche Funktionen wie Gesundheitsplaner, Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen und KI-gestützte Aufbereitung medizinischer Informationen vor.
Damit entsteht eine interessante Perspektive für Gründer: Gesundheitsdaten werden künftig nicht mehr nur in einzelnen Praxen oder Krankenhäusern liegen. Sie sind Bestandteil eines digitalen Ökosystems.
Das erhöht allerdings auch die Anforderungen an den Datenschutz, denn Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten personenbezogenen Informationen.
Benutzerfreundlichkeit wird zum Gesundheitsfaktor
Die Anwender erwarten inzwischen von vielen Dienstleistungen, dass sie schnell, intuitiv und ortsunabhängig funktionieren. Diese Erwartung übertragen sie auch auf das Gesundheitswesen.
Hier können digitale Services ansetzen: Eine App kann den Zugang zu medizinischer Beratung vereinfachen, Informationen bündeln und die Kommunikation zwischen Patient und Gesundheitsdienstleister verbessern.
Das bedeutet nicht, dass jede medizinische Leistung digital stattfinden kann. Körperliche Untersuchungen, komplexe Diagnostik und viele Behandlungen brauchen weiterhin den direkten Kontakt. Die Zukunft liegt in einer sinnvollen Kombination aus digitaler und persönlicher Versorgung.
Beispiele für in Deutschland aktive Telemedizin-Anbieter
Der deutsche Markt zeigt bereits, wie unterschiedlich digitale Gesundheitsmodelle aussehen können:
Die Plattform
DoktorABC verbindet Patienten mit zugelassenen Ärzten und Partnerapotheken. Die Nutzer starten eine Online-Konsultation, beantworten medizinische Fragen und erhalten bei medizinischer Eignung ein Rezept. Von der Anamnese und der Beratung in über 40 Spezialbereichen (etwa Hautkrankheiten, Geschlechtskrankheiten, Diabetes, Übergewicht) bis zum Versand der Medikamente über Partnerapotheken lässt sich alles digital abwickeln.
TeleClinic hat sich auf Videosprechstunden mit in Deutschland tätigen Ärzten spezialisiert und bietet unter anderem digitale Rezepte und Krankschreibungen an. Nach eigenen Angaben arbeitet TeleClinic mit mehr als 7.000 Ärzten zusammen.
Medgate verfolgt ebenfalls einen stark digitalen Ansatz. Über die App können Patienten ärztliche Gespräche per Video führen und je nach Fall weitere digitale Leistungen wie Rezepte, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Behandlungspläne erhalten.
dermanostic konzentriert sich auf die digitale Dermatologie. Die Patienten laden Fotos ihrer Hautveränderung hoch und beantworten einen digitalen Fragebogen. Anschließend beurteilen Dermatologen den Fall und stellen eine Diagnose sowie eine individuelle Therapieempfehlung aus.
Wo Chancen für Startups liegen
Für Gründer dürfte nicht nur die Frage interessant sein, was sich digitalisieren lässt. Wichtiger ist die Frage, welches Problem für den Patienten dadurch tatsächlich verschwindet.
Ein erfolgreiches Health-Startup könnte beispielsweise Wartezeiten reduzieren, medizinische Informationen verständlicher machen oder Patienten mit einer chronischen Erkrankung kontinuierlich begleiten.
Die größte Chance liegt möglicherweise dort, wo heute noch Medienbrüche entstehen. Wenn Patienten Daten mehrfach eingeben, Dokumente manuell weiterleiten oder Informationen aus verschiedenen Apps zusammensuchen müssen, entsteht Raum für bessere Lösungen.
Gesundheit im Mittelpunkt verschiedener Plattformen
Die nächste Generation des Gesundheitswesens wird durch verschiedene Technologien ermöglicht.
Telemedizin schafft den digitalen Zugang zu medizinischer Versorgung. KI kann Informationen analysieren und Prozesse unterstützen. Elektronische Patientenakten schaffen eine gemeinsame Datenbasis. Apps und digitale Services verbinden diese Elemente zu einer möglichst einfachen Benutzererfahrung für die Patienten.
Für Startups entsteht damit ein interessantes Spielfeld, das aber auch anspruchsvoller und stärker reguliert als viele andere digitale Märkte ist.
Die entscheidende Frage für Gründer in diesem Bereich lässt sich so formulieren: Wer schafft es, die digitale Gesundheitsversorgung für Patienten tatsächlich einfacher, intelligenter und menschlicher zu gestalten?