Pay-by-Bank verlagert einen Teil der Identitäts- und Zahlungsprüfung von der Plattform zur Bank. Nutzer zahlen direkt über ihr Online-Banking, ein separates Kundenkonto ist dafür nicht zwingend erforderlich. Was in den 2010er-Jahren in Schweden als Nischenlösung begann, hat sich inzwischen zu einem etablierten europäischen Zahlungsmodell entwickelt.
Der Treiber ist Regulierung, nicht Marketing. Seit PSD2 müssen Banken lizenzierten Drittanbietern über standardisierte Schnittstellen Zugang zu Zahlungskonten ermöglichen. Genau daraus sind neue Checkout-Modelle entstanden.
Wie Pay-by-Bank technisch funktioniert
Der Kunde wählt im Checkout seine Bank aus und bestätigt die Zahlung in der Banking-App. Der Zahlungsauslösedienst übermittelt den Zahlungsauftrag, während die starke Kundenauthentifizierung bei der Bank erfolgt. Kartendaten oder separate Wallet-Logins spielen dabei keine Rolle.
Anbieter wie Trustly, Brite oder Zimpler haben dieses Modell in Skandinavien groß gemacht. In Deutschland lief die Entwicklung zunächst über Lösungen wie Sofortüberweisung; heute erfolgen die Zugriffe zunehmend über dedizierte Bank-APIs. Für Händler bedeutet das potenziell niedrigere Gebühren als bei Kartenzahlungen und weniger Risiken durch klassische Karten-Rückbuchungen.
Warum die Registrierung dabei wegfällt
Die Bank hat den Kunden bereits im Rahmen der Kontoeröffnung identifiziert. Bestimmte Kundendaten liegen bei der Bank bereits vor und können – sofern rechtlich zulässig und vom Kunden autorisiert – im Zahlungsprozess an den Händler oder Zahlungsdienstleister übermittelt werden.
Damit kann der klassische Registrierungsprozess entfallen. Kein separates Formular, kein zusätzliches Passwort und unter Umständen auch keine manuellen Dokumenten-Uploads. Das für die Zahlung erforderliche Kundenprofil wird aus den bereits vorhandenen Bank- und Zahlungsdaten erstellt, während für den Nutzer vor allem die Zahlung selbst sichtbar ist.
Für Produktteams ist das vor allem ein Conversion-Thema. Jeder zusätzliche Pflichtschritt im Funnel kann Nutzer kosten, und Registrierungsformulare gehören zu den typischen Abbruchpunkten. Pay-by-Bank kann diesen Schritt vollständig aus dem Zahlungsablauf entfernen.
Instant Payments beschleunigen die Auszahlung
Die zweite Hälfte des Modells ist die Rückrichtung. Mit der EU-Verordnung zu Instant Payments wurden Echtzeitüberweisungen im Euroraum schrittweise zum Standard. Zahlungen werden dabei grundsätzlich innerhalb von rund zehn Sekunden verarbeitet – auch außerhalb klassischer Banköffnungszeiten.
Sichtbar wird der Effekt vor allem dort, wo schnelle Auszahlungen Teil des Produktversprechens sind. Der iGaming-Markt hat das Modell früh übernommen: Ein
casino mit sofortauszahlung ohne registrierung kombiniert Zahlungsauslösung, bankbasierte Authentifizierung und Echtzeitüberweisung zu einem möglichst reibungslosen Ablauf. Dieselbe Infrastruktur lässt sich inzwischen auch für Versicherungszahlungen, Marktplätze und Händlerauszahlungen einsetzen.
Was Gründer daraus mitnehmen
Pay-by-Bank ist kein Nischenprodukt mehr, das nur für Zahlungsspezialisten relevant ist. Die Schnittstellen sind reguliert, Zahlungsanbieter lassen sich austauschen und die technische Integration kann innerhalb von Wochen statt Monaten erfolgen. Wer heute ein Produkt mit eigenen Zahlungsflüssen entwickelt, sollte das Modell zumindest in seine Kalkulation einbeziehen.
Drei Punkte sind dabei besonders relevant:
• Kosten: Kontobasierte Zahlungen können deutlich günstiger sein als Kartenzahlungen, insbesondere bei höheren Transaktionsbeträgen.
• Abdeckung: Nicht jede deutsche Bank bietet dieselbe API-Qualität und Stabilität. Ein Karten- oder anderer Zahlungsfallback bleibt daher vorerst sinnvoll.
• Datenschutz: Kontodaten dürfen nur für klar definierte Zwecke verarbeitet werden. Einwilligungen und Datenweitergaben müssen im Zahlungsprozess transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Offen bleibt, wie weit die Regulierung noch gehen wird. PSD3 und die geplante Payment Services Regulation sollen unter anderem die Rahmenbedingungen für Open Banking weiterentwickeln, die Schnittstellenqualität verbessern und Haftungsfragen beim Zahlungsbetrug neu ordnen. Für Anbieter, die auf Open Banking setzen, könnte das die Planungssicherheit erhöhen.
Das Muster ist damit klar erkennbar: Die Registrierung war nie ein eigentlicher Kundenwunsch, sondern vor allem eine technische und regulatorische Notwendigkeit. Wenn die Bank bestimmte Identitäts- und Zahlungsinformationen bereits bereitstellt, kann ein Teil dieses Prozesses direkt in den Zahlungsvorgang integriert werden